Unser Bier kommt aus einem Schloss — und das seit 1608
Sieben Kilometer entfernt steht ein Wasserschloss. Darin wird seit über vierhundert Jahren gebraut. Näher geht regional kaum.

Es gibt diesen Satz, den jede Speisekarte in Deutschland irgendwo stehen hat: "regional und saisonal". Beim Bier lässt er sich sehr genau nachprüfen — man muss nur schauen, wie weit der Lastwagen gefahren ist.
Bei uns sind es ungefähr sieben Kilometer.
Eine Brauerei in einem Wasserschloss
Das Bier, das bei uns aus dem Hahn kommt, wird in Unterbaar gebraut, einem Ortsteil der Gemeinde Baar im Landkreis Aichach-Friedberg. Dort steht ein dreigeschossiges Wasserschloss, dessen Kern aus dem 16. Jahrhundert stammt und ursprünglich auf einer kleinen Insel errichtet wurde.
Die Schlossbrauerei Unterbaar wurde 1608 gegründet und zählt nach eigenen Angaben zu den ältesten urkundlich belegten Privatbrauereien Deutschlands.
Zur Einordnung: 1608 war der Dreißigjährige Krieg noch zehn Jahre entfernt. Das Schloss Affing, sieben Kilometer weiter, stand damals noch in seiner Vorgängerform — die wurde in eben diesem Krieg zerstört und erst ab 1694 neu aufgebaut.
Das Bier ist also älter als das Schloss im Nachbarort.
Noch immer in Familienhand
Die Brauerei ist kein Museumsstück. 1962 übernahm Otto Philipp Freiherr Groß von Trockau die Leitung, seit 1998 führt sein Sohn Franz Freiherr Groß von Trockau das Haus. Eine Privatbrauerei, die seit Jahrhunderten arbeitet und deren Chef man theoretisch anrufen kann.
Warum das für einen Wirt einen Unterschied macht
Man könnte auch eines der großen Biere ausschenken. Die sind nicht schlecht, sie sind überall erhältlich, und niemand würde sich beschweren. Dagegen sprechen drei Dinge:
- Der Weg. Kurze Wege heißen frisches Bier. Das schmeckt man, gerade beim Fassbier.
- Das Geld bleibt hier. Ein Wirt in Affing, der bei einer Brauerei in Baar kauft, hält die Wertschöpfung in einem Landkreis. Das klingt nach Sonntagsrede, ist aber schlicht Rechnung.
- Es gehört zusammen. Ein bayerisches Wirtshaus mit einem Bier aus fünfhundert Kilometern Entfernung ist ein Widerspruch, den man nicht erklären muss, um ihn zu spüren.
Was dazu passt
Beim Essen ist die Regel einfacher, als das Feuilleton es macht:
- Zum Schweinsbraten ein Helles oder ein Dunkles. Das Dunkle nimmt die Röstaromen der Soße auf und spielt mit ihnen.
- Zur Brotzeit ein Helles, kalt, ohne Nachdenken.
- Zu Käsespätzle ebenfalls ein Helles — alles Kräftigere erschlägt den Käse.
- Im Biergarten im Hochsommer ein Radler, und niemand muss sich dafür entschuldigen.
Und wenn man kein Bier trinkt?
Dann ist das kein Problem und auch kein Statement. Alkoholfreies Bier gibt es, dazu Weine, Limonaden und Kaffeespezialitäten mit hausgemachtem Eis. Wer fährt, fährt.
Häufige Fragen
Die Schlossbrauerei Unterbaar aus dem Ortsteil Unterbaar der Gemeinde Baar, ebenfalls im Landkreis Aichach-Friedberg.
Wie alt ist die Schlossbrauerei Unterbaar?Sie wurde 1608 gegründet und zählt nach eigenen Angaben zu den ältesten urkundlich belegten Privatbrauereien Deutschlands.
Warum kein bekanntes großes Bier?Weil ein Bier aus der Nachbargemeinde kürzere Wege hat, frischer ankommt und das Geld in der Region bleibt. Und weil es schmeckt.
Gibt es auch alkoholfreie Biere?Ja. Dazu Weine, alkoholfreie Getränke sowie Kaffeespezialitäten mit hausgemachtem Eis.
Auf ein Bier vorbeikommen
Mo und Mi–Sa ab 17:30 Uhr, sonntags ab 11 Uhr. Bei schönem Wetter am liebsten im Biergarten.
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