Warum so viele Wirtshäuser „zur Post" heißen
Es ist keine Marketingidee, sondern eine Folge davon, wie weit ein Pferd an einem Stück laufen kann.

Fahren Sie eine Stunde durch Bayern und zählen Sie mit. Zur Post in Affing, zur Post im nächsten Ort, zur Post im übernächsten. Kein anderer Wirtshausname kommt auch nur annähernd so oft vor.
Das ist kein Zufall und keine Einfallslosigkeit. Es ist Verkehrsplanung aus dem 17. Jahrhundert.
Ein Pferd schafft etwa zwanzig Kilometer
Das ist der ganze Grund. Ein Pferd, das eine schwere Kutsche zieht, ist nach fünfzehn bis fünfundzwanzig Kilometern erschöpft. Danach muss es getauscht werden, sonst geht es kaputt.
Als sich das Postwesen in Europa organisierte, entstand daraus ein Netz: Alle zwanzig Kilometer eine Poststation, an der frische Pferde bereitstanden. Die Kutsche fuhr weiter, die Pferde blieben und erholten sich.
Und weil die Reisenden in dieser Zeit ebenfalls etwas essen und manchmal übernachten mussten, war an jeder Station ein Wirtshaus. Oder genauer: Das Wirtshaus war die Station.
Der Posthalter war wer
Den Betrieb führte der Wirt als Posthalter. Er stellte die Pferde, sorgte für Futter, Stallungen und Knechte und haftete dafür, dass die Post pünktlich weiterkam.
Das war kein Nebenjob, sondern ein Amt mit Ansehen. Der Posthalter kannte jeden, der durchkam. Bei ihm liefen Nachrichten zusammen, bevor es Zeitungen gab. In vielen Orten war er nach dem Pfarrer und dem Bürgermeister der dritte wichtige Mann.
Entsprechend selbstbewusst stand der Name am Haus.
Warum der Name blieb, als die Kutschen verschwanden
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts übernahm die Eisenbahn. Die Postkutsche wurde überflüssig, die Stationen verloren ihre Funktion.
Die Wirtshäuser blieben. Und mit ihnen der Name — aus drei Gründen:
- Er war bekannt. Jeder wusste, wo "die Post" war. Das gibt man nicht auf.
- Er stand für Verlässlichkeit. Wo die Post hielt, war Ordnung. Das war gute Werbung, lange bevor es das Wort gab.
- Er war schon in Stein. Wer einmal einen Schriftzug an der Fassade hat, ändert ihn nicht wegen einer neuen Technologie.
Manche Häuser übernahmen den Namen sogar erst später, weil er einen guten Klang hatte. Ob ein bestimmtes Haus wirklich Poststation war, weiß am Ende nur die Ortschronik.
Was der Name über ein Haus verrät
Nichts Technisches, aber etwas über die Lage. Ein Gasthof zur Post steht fast immer an der Durchgangsstraße, nicht versteckt in einer Seitengasse. Er war darauf ausgelegt, dass Fremde ihn finden — das war seine Aufgabe.
Und er war nie ein reines Restaurant. Ein Posthaus war Gaststube, Treffpunkt, Nachrichtenbörse und Ort für Feiern in einem. Viele dieser Häuser sind bis heute genau das.
Und heute?
Der Grundgedanke hat sich nicht so weit entfernt, wie man meinen könnte. Ein Wirtshaus an der Durchgangsstraße, an dem man anhält, etwas Ordentliches isst, Leute trifft und bei dem im Ort jeder weiß, wo es ist.
Nur die Pferde sind weg.
Häufige Fragen
Weil sie Poststationen waren. Die Postkutschen mussten alle 15 bis 25 Kilometer die Pferde wechseln, und an genau diesen Stellen entstanden Gasthöfe.
Was war ein Posthalter?Der Wirt, der im Auftrag der Post die Pferde stellte und versorgte. Ein angesehenes Amt, das oft über Generationen in einer Familie blieb.
Gab es das nur in Bayern?Nein, in ganz Europa. In Bayern ist der Name nur besonders häufig geblieben, weil das Postwesen hier früh und dicht organisiert war.
Haben alle Gasthöfe „zur Post" wirklich eine Poststation gehabt?Nicht zwingend. Manche übernahmen den Namen später, weil er für Verlässlichkeit stand. Sicher sagen kann das nur die Ortschronik.
Vorbeischauen
Neuburgerstraße 2 in Affing. Mo und Mi–Sa ab 17:30 Uhr, sonntags ab 11 Uhr, Dienstag Ruhetag.
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